Unfriendly Takeover

"Isn't there anyone... 2 X 2 L"
Experimentelle Hör-, Klang-, Lauschspiele junger Künstler
28. August 2002, ab 20.00 Uhr, Museum für Kommunikation

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OPERATOR FOUR: 2 X 2 L calling C Q . . . 2 X 2 L calling C Q . . . 2 X 2 L
calling C Q . . . New York Isn't there anyone on the air? Isn't there anyone
on the air? Isn't there anyone . . . 2 X 2 L --

Die Hörspielnacht im Museum für Kommunikation orientiert sich auch am übergeordneten Thema der Internationalen Sommerakademie "Fake - True Truth About The Nearly Real". So sollen die Stücke nicht nur präsentiert werden, sondern Klangkünstler und Hörspielmacher sind auch zu einem Gespräch mit dem Publikum eingeladen, das FM Einheit moderiert. Thema der gemeinsamen Diskussion sowie der ausgewählten Hörspiele soll die Verwendung von originalem, dokumentarischem Material in Konfrontation/Verbindung mit "hergestelltem", "fiktivem" Tonmaterial sein.
Diskussionsleitend sind dann Fragen nach Authentizität, nach dem Verhältnis von Narrativität und Musikalität, bzw. ÌMaterialitätº. Im Verlauf des Abends können und sollen der Moderator und die eingeladenen Künstler dann noch weiteres (eigenes) Material einspielen, um so der Diskussion den Charakter eines Arbeitsgesprächs zu geben.

Mit: Stefan Beck, Helgard Haug, Bernhard Herbordt, Stefan Kaegi, Sylvi Kretzschmar, Stefanie Lorey, Melanie Mohren, Christoph Söhngen, Claudia Weber, Daniel Wetzel u.a

Moderation: FM Einheit

  • "Apparat Herz"
    von Helgard Haug und Daniel Wetzel

    (54 Minuten)

    Winter 1963-1964, 18 Monate nach dem Bau der Mauer: Wettgeschrei der Ideologien, Kontaktsperre, Entfremdung. Für Berlin wird versuchsweise eine Einigung erzielt: Für 18 Tage dürfen Bewohner aus dem westlichen Revier in das östliche. Täglich ändert sich das System. Ein Sender begleitet den Vorgang, eine Telefonleitung steht für Fragen der Grenzgänger ganztägig zur Verfügung: Wer darf es wagen, die Seite zu wechseln? Und wie organisiert man den Ansturm von 1,8 Millionen auf Anträge?
    Am Apparat: Peter Herz und Kollegen. Sie geben Anleitungen zum Seitenwechsel und vermitteln zwischen großer Politik und ihren Versuchspersonen. Mitschnitte der Sondersendungen des RIAS zum Berliner Passierscheinabkommen liegen dem Hörspiel zugrunde.
    Eine Produktion des DeutschlandRadio Berlin, 2001.

    Helgard Haug und Daniel Wetzel (beide Jahrgang 1969) entwickeln seit 1995 Projekte als Schnittstellen von Innen- und Außenräumen, Privatheit und Öffentlichkeit, Realität und Fiktion.

  • "Glühkäferkomplott"
    von Stefan Kaegi

    (ca. 30 Minuten)

    Ein Labor, wie ein Hochsicherheitstrakt. Silvia und Reto leben im Untergrund und kämpfen gegen die Einfalt globaler Werbekampagnen. Ihre Vorbilder sind Bombardierkäfer, die bei Gefahr explodierende Sekrete ausstoßen, und Glühkäfer, die durch das Imitieren fremder Blinkfrequenzen artfremde Larven anlocken und verspeisen. Auf der anderen Seite: Parymetrics ist ein smartes Startup-Unternehmen, das davon lebt, kleine Programme über das Netz in die Betriebssysteme ahnungsloser Anwender zu schmuggeln, um sie nach unbewussten Wünschen abzutasten, um Kundenprofile und Kreditfähigkeit zu prüfen. Als Silvia und Reto fremden Zugriff auf ihren Rechner vermuten, nehmen sie den Kampf auf. Von Datenverlust und Enttarnung bedroht, gilt es auf einem analogen Tonband die wichtigsten Abwehrstrategien festzuhalten.

    Das Hörspiel entstand im März 2002 als Live Perfomance im Rahmen des Internmedium-Festivals im ZKM Karlsruhe als eine Versuchsanordnung für zwei Jäger: Die beiden Einzelkämpfer basteln aus Haushaltsgeräten und Nahrungsmitteln akustische Waffen, manipulieren Toaster und bringen Essiggurken zum Glühen, züchten Kornkäfer, die nur mit speziellen Mikrophonen zu hören sind, und richten Hausbockkäfer darauf ab, Plakatwände innerhalb von zwei Stunden zu zernagen.
    Eine Produktion des Schweizer Radio DRS/ Deutschlandfunk 2002

    Stefan Kaegi, geboren 1972, in der Schweiz aufgewachsen, studierte Theaterwissenschaften in Gießen, lebt in Frankfurt/M. Performances, Hörspiele. Jüngste Arbeiten: "Shooting Bourbaki" am Luzerner Theater (mit Helgard Haug und Daniel Wetzel), "Torero Portero" für das Goethe Institut Cordoba (Argentinien), sowie unter dem Label "Hygiene Heute" (mit Bernd Ernst) die Audiotour "Kanal Kirchner" am Spielart-Festival in München.
    www.hygiene-heute.de

  • Casino Royal
    Hörspiel für Schallplatten und Live-Elektronik
    von Stefan Beck

    (52 Minuten)

    Formal baut Casino Royal auf Noize Concept auf, einem analogen Soundsystem zur Echtzeitmanipulation von angeschlossenen Schallquellen.
    Mit Casino Royal wurde der Versuch unternommen, ein Hörspiel sowohl live, also im Moment seiner Sendung (im Radio), als auch unter Verwundung von schon bestehenden, auf Schallplatte befindlichen, Hörspielen herzustellen.
    Aus Anlaß des elften Jahrestages des Falls der Berliner Mauer wurden für Casino Royal ein Hörspiel des DDR Rundfunks von Bernhard Seeger , "Rauhreif", eine Schallplatte mit Reden von Helmut Kohl in der ehemaligen DDR im November 1989, Audiofiles zum Mauerfall aus dem Deutschen Historischen Museum Berlin, sowie diverse Techno- und Electro-Schallplatten verwendet. Diese wurden während der Sendung live gemischt und manipuliert-

    Stefan Beck, geboren 1965, lebt und arbeitet in Frankfurt/Main.

  • Looking for a Small Story
    von Melanie Mohren und Bernhard Herbordt

    (10 Minuten)

    "»Looking for a Small Story¥ betont den Schnitt: Mikrogeschichten, -stimmungen und -aussagen, die einander widersprechen, sich auslöschen und dekonstruieren, prallen hier aufeinander. Durch elektronische Manipulation, Wiederholung von Satzfragmenten und musikalische Fortführung entsteht dennoch ein vielfach verflochtenes akustisches Kontinuum aus Geräuschen, Tondokumenten, verfremdeten Klängen, die dem gewohnten Kontext entzogen zu neutralem Material werden. Dieser Text erzählt aber nicht ausschließlich; er folgt einer Sprache, die sich aus Radio- und Filmzitaten dem Sprechenden entwindet und so im Scheitern zu Musik wird. Ein Tag verstreicht, virtuell; eine Bewegung in der Zeit - »es ist achtzehn Uhr fünf¥ - wird spürbar. Es ist ein Tag, der jeder sein könnte und keiner. »All diesen Leuten wird man irgendwelche Geschichten erzählen müssen. - Ja, aber was? - Das spielt keine Rolle.« (J.L. Godard: Pierrot le fou)
    Looking for a Small Story - Die eigentliche Geschichte ist immer woanders." (Melanie Mohren/ Bernhard Herbrodt) "Looking for a Small Story" wurde 2001 mit dem NRW-Hörspielpreis der Publikumsjury ausgezeichnet.

    Melanie Mohren, Jahrgang 1979, und Bernhard Herbordt, Jahrgang 1978, studieren am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Giessen. Zuletzt entstand die akustische Installation world in a box - Audiotheater für zwei Zuschauer.

  • "Stein und Vogel"
    von Stefanie Lorey und Sylvi Kretzschmar

    "also normal, wenn hier alles funktioniert, ist das, ja, das ist total sicher. angenommen der winter, kommt einer ... kann nit mehr bremse und faehrt und faehrt in die zuene schranke. da hab ich zur not hier die nottaste. da schalten alle saemtliche signal auf rot. is nur, wenn der zug, die einfahrtssignal schon drüber weg is, dann hilft das auch nicht mehr. dann kann man hier nur noch auf den knall warten. ansonsten ist das gut abgesichert."

    Sylvi Kretzschmar(geboren 1977 in Jena) Performances und Installationen mit dem Schwerpunkt Öffentlicher Raum; 2000 ‹Lift OffÏ Inszenierung eines Hochhaus-Fahrstuhls in Zusammenarbeit mit Ulrike Hanstein, Giessen/ Frankfurt; Bandmitglied der ‹microfunkbarÏ Köln; Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Giessen seit 1997 Stefanie Lorey(geboren 1974 in Bingen am Rhein) 1993 Studium in Köln, während dieser Zeit Assistenzen an Theatern, freie Mitarbeit beim WDR und Phoenix, Projektleiterin in PR Agentur; seit 1999 Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Giessen, freie Mitarbeit in PR Agentur in Frankfurt Eigene Arbeiten für Theatermaschine, Hessische Theatertage und Theater der Welt.

  • 50'31'' für 39 Hörspiele
    von Claudia Weber

    (50 Minuten)

    "Willkommen beim Hörspiel - so klingt das Leben". 50'31'' für 39 Hörspiele ist ein Hörspiel aus Hörspielen, also Leben pur. Vorhang, Ränge, Logen, Bühne, ein Theater. Eifrige Schauspieler und Selbstdarsteller warten auf Ihren Auftritt, doch es geschieht Unfaßbares: der Intendant konterkariert die geplante Performance, denn man kann nicht verkaufen, was es gar nicht gibt, und was es nicht gibt, sind Ideen. Entschlossen, noch nie zuvor gegangene künstlerische Wege zu gehen, obgleich Stoff und Ideen fehlen, wird heftig diskutiert. Doch das Publikum wartet. Bis man die Lösung für dieses Problem erkennt: das wirkliche Leben. Bruchstücke und Sequenzen aus 39 Hörspielen werden zu einem "neuen" Hörspiel, in dem das Hörspiel und das Hörspiel-Hören selbst zum "akustischen Leben" wird. Alles wurde bereits gesagt, selbst in der marginalen Welt des Hörspiels, so daß die Wiederholung zwar zum Problem für die Schauspieler, zum andern aber gleichzeitig zu einem neuen Stück wird - das freilich auch wieder nur ein weiteres Hörspiel auf einer Schallplatte ist: Glorifikation des Hörspiels. Claudia Weber, Jahrgang 1976 studierte Musikwissenschaft in Karlsruhe. Hörspiele "Schrottplatz" (Plopp 2001) und "Meobi" (2002).